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Sand- und Kiesgruben,
Teil 5
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Wenn
sich das Thermometer im Sommer der 30-Grad-Grenze nähert, wird nicht
nur in den öffentlichen Freibädern der Platz eng. Wo immer sich
Möglichkeiten zu einer nassen Abkühlung bieten, lockt schönes
Wetter Erholungssuchende und Badefreunde an Baggerseen der näheren
und weiteren Umgebung. Baden im Kiesteich bedeutet nicht nur angenehme
Erfrischung - gedanklich steht diese Verbindung für viele fast als
Innbegriff für ein Wohlgefühl inmitten der freien Natur. |
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Folgenutzung
als Badesee ist nur eine der Varianten. Dem Bedürfnis der Bevölkerung
nach Erholung und Freizeitgestaltung tragen rekultivierte Sand- und Kiesgruben
heute quer durch die Bundesrepublik in vielfältiger Weise Rechnung.
Das gilt naturgemäß besonders für Baggerseen, die gerade
im Umfeld von Ballungszentren beliebte und gesuchte Ausflugsziele darstellen,
aber auch für zahlreiche ehemalige Trockenabgrabungen, die zur ruhigen
Naherholung oder zur sportlichen Betätigung hergerichtet wurden. Schon
eine kurze Recherche im Internet offenbart eine Fülle von Nutzungsvarianten
ehemaliger Sand- und Kiesabgrabungen, die nicht für den Naturschutz,
sondern für die Freizeitgestaltung zur Verfügung gestellt wurden.
Internet-Suchmaschinen, in die etwa das Wort Kiesteich oder Baggersee in
Kombination mit Begriffen wie Baden, Segeln, Surfen, Angeln etc. eingegeben
werden, präsentieren eine Vielzahl weiterführender Links.
Bei
den aufgelisteten Ergebnissen handelt es sich zu einem großen Teil
um Internetseiten, auf denen mit den besonderen Vorzügen von Baggerseen
regelrecht touristische Werbung betrieben wird. Die Region Hannover etwa
bringt es auf ihrer Website (www.region-hannover.de) mit folgender Formulierung
am besten auf den Punkt: „Die Costa Kiesa: seit vielen Jahren eines der
beliebtesten Urlaubsziele des Hannoveraners.“ Der Name Costa Kiesa steht
dabei für 3 große Kiesseen im Hannoveraner Ortsteil Ricklingen,
die als Badeteiche für sommerliche Abkühlung garantieren.
Ob
am Kaiserstuhl, im Alb-Donau-Kreis, im Ruhrgebiet oder im Raum Hamburg,
für viele Regionen stehen im Internet Informationen über Baggerseen
bereit, die als offizielle Badeseen ausgewiesen sind oder weniger offiziell
zu diesem Zwecke genutzt werden. Dabei finden sich oft auch Angaben über
die örtliche Infrastruktur wie Parkplätze, sanitäre Einrichtungen,
Uferbeschaffenheit, Wasserwacht, Grill- und Picknickmöglichkeiten
etc. Auch und gerade die Anhänger des textilfreien Badens, die Kiesseen
mit gesondert ausgewiesen FKK-Bereichen schätzen, werden im Internet
schnell fündig, was Anregungen und Hinweise auf attraktive Liege-
und Badebereiche anbelangt.
Ein
instruktives Beispiel ist der Badegewässerführer des Hessischen
Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten, der von der Website
der Stadt Frankfurt (www.frankfurt.de) heruntergeladen werden kann (zu
finden unter dem Stichwort Badeseen). Explizit wird hier bei den aufgeführten
Seen auf die frühere Nutzung hingewiesen: „Früher fand man hier
Kies, jetzt findet man hier Vergnügen an diesem Baggersee mit seinem
Freizeit- und Erholungszentrum“, lautet etwa die Formulierung beim Freizeitzentrum
Meinhard. Und der verantwortliche Minister unterstreicht in seinem Vorwort:
„Baden in natürlicher Umgebung ist sicherlich eine der angenehmsten
Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen und Erholung mit sportlichen
Aktivitäten zu verbringen.“ Und weiter: „Gönnen Sie sich mal
wieder den kleinen Urlaub zwischendurch, lassen Sie Ihre Seele baumeln
bzw. die Füße im Wasser ...“.
Von
der kleinen Badestelle an einem Baggersee im ländlichen Raum, die
nur von der örtlichen Dorfgemeinschaft genutzt wird, bis hin zum großen
Freizeitzentrum am Rande einer Metropole, die der Bevölkerung im Ballungsraum
alle Möglichkeiten für die verschiedensten Wassersportarten eröffnet,
existieren naturgemäß alle Übergänge. Maßgeblich
ist dabei natürlich auch die Größe der für die Naherholung
nutzbaren Fläche. An der Duisburger Sechs-Seen-Platte, nicht weit
entfernt von der Duisburger Innenstadt und eingebettet in eine traumhafte
Landschaft, kann nach Herzenslust gesurft, gesegelt, gepaddelt und gerudert
werden. Und was den Laien nur zum Vergnügen dient, findet in diesem
Fall auch bei den Profis höchste Beachtung. Eine der ehemaligen Abgrabungen
wurde hier zu einer internationalen Regattastrecke entwickelt, auf der
sich auch die Top-Teams des Rudersports messen. Noch schneller können
sich Wasserski- und Wakeboard-Fans bewegen, für deren sportliches
Vergnügen eine mit 60 PS angetriebene Seilbahn sorgt.
Auch
der nahe Frankfurt gelegene Langener Waldsee, der mit einer Wasserfläche
von ca. 100 ha besticht, ist ein eindrucksvolles Beispiel am oberen Ende
der Angebotspalette von Anlagen zur Freizeitgestaltung. Den Erholung suchenden
Bewohnern des Rhein-Main-Gebietes wird hier nahezu jede Art von Wassersport
zum sommerlichen Freizeitvergnügen angeboten. „Extrem-sportlich“ geht
es an diesem Baggersee dann zu, wenn Triathleten im Rahmen des deutschen
Ironman-Wettbewerbes ihre Besten über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren
und 42,2 km Laufen ermitteln. Der von Wald umgebene See bildet dabei den
Austragungsort des Schwimm-Wettkampfes.
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Weit
beschaulicher ist dagegen der Sport, dem sich bundesweit Angler bei jedem
Wetter in zahllosen Kiesteichen widmen. Im ländlich strukturierten
Raum der Stadt Petershagen, nördlich des Weser-Wiehengebirges an der
Weser gelegen, übernehmen Kiesgruben zunehmend eine Ersatzfunktion,
da entlang der Weser, früher das bevorzugte Angelrevier, in den vergangenen
Jahren immer mehr Strecken aus Naturschutzgründen für die Angelnutzung
gesperrt wurden. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 27000 Personen sind in
der Stadt etwa 1000 Angler in den örtlichen Fischereivereinen organisiert,
eine ansehnliche Quote. Diese Vereine investieren nicht nur beträchtliche
Arbeit in die Pflege der Teiche und Fischbestände, sondern auch erhebliche
Geldmittel, da Kiesteiche seitens der Vereine in der Regel käuflich
erworben werden müssen, um sie gegenüber dem Naturschutz dauerhaft
für die Angelnutzung zu sichern. Und sollten Angler aus Petershagen
einmal Bedarf zum „Tapetenwechsel“ haben: in vielen Städten und Gemeinden
organisieren örtliche Tourist-Informationen gerne Angler-Wochenende.
Auch hierbei hilft das Internet.
Einen
der renaturierten Kiesteiche teilen die Angler in Petershagen gelegentlich
mit dem Schiffsmodellbauclub Poseidon. Fischkutter, Schlepper oder Eisbrecher,
nicht selten von Vätern und Kindern in Gemeinschaftsarbeit „richtigen“
Schiffen detailgetreu nachgebaut, ziehen auf dem Baggersee ferngesteuert
ihre Runden und messen sich in Geschicklichkeitswettbewerben.
Den
Fischen aus nächster Nähe auf der Spur sind die Taucher im Auesee
bei Wesel. Allerdings ist nur ein begrenzter Teil des Auesees ist für
den Tauchsport freigegeben. In dem besonders bei Anfängern und Tauchschulen
beliebten See ist das Tauchen zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober
erlaubt. Danach besteht Schonzeit für Fauna und Flora. Wenn auch nicht
mit karibischem Flair und entsprechendem Fischreichtum ausgestattet, begegnen
Tauchern in dem etwa 10 m tiefen Revier mit etwas Glück doch immerhin
Barsche, Karpfen und Hechte.
Lautstark
und daher bei den Nachbarn meist weniger geschätzt, bei Fahrern und
Fans jedoch sehr beliebt: Motorradrennen in aufgelassenen Sandgruben. Mehr
als 2000 Links liefert die Internet-Suchmaschine Google beim Stichwort
Sandbahnrennen. Mancher Motorsportklub hat seine Anfänge auf die gleiche
Weise genommen wie der SC Neuenknick (www.sc-neuenknick.de). Am Anfang
trafen sich motorsportbegeisterte Leute in einer stillgelegten Sandgrube,
meist mit serienmäßigen Motorrädern, um ihrem Hobby nachzugehen.
Nach und nach wurde die Bahn dann zu einem anspruchsvollen Rundkurs ausgebaut,
auf dem inzwischen Speedway-Veranstaltungen auf Bundesliga-Ebene vor großer
Zuschauerkulisse durchgeführt wurden und werden.
Wer
glaubt, man könne auf Sand nicht Ski fahren, dem sei ein Besuch auf
der Internetseite des Skiclubs Monte Kaolino Hirschau dringend empfohlen
(www.scmk.org). „Heimatberg“ des Skiclubs ist ein Berg aus etwa 33 Millionen
Tonnen weißem Quarzsand, eingebettet in die Landschaft der Oberfalz,
der eine 260 m lange Abfahrt bei einem Gefälle von 35 Grad bietet.
Entstanden ist die Sandhalde durch überschüssigen Quarzsand,
der beim Abbau von Industriemineralien angefallen war. Skifahren im Schnee
war gestern, Sandboard-Fahren ist die In-Sportart von heute, möchte
man meinen. Selbst das mühselige Bergauf-Kraxeln im Sand bleibt den
Sportlern erspart. Von Mai bis Oktober sorgt ein Lift für professionellen
Aufwärts-Transport.
In
der Beschreibung von Sport- und Freizeitnutzungen rekultivierter Sand-
und Kies ließe sich noch weiter fortfahren. Golfplätze, Reit-
und Campinganlagen und manches andere bleibt hier aus Platzgründen
unerwähnt. Doch dürften auch schon die vorgestellten Beispiele
einen Eindruck davon vermittelt haben, welchen Stellenwert die Folgenutzung
„Freizeit und Erholung“ heute hat. Leistungen bei entsprechenden Rekultivierungen
haben es verdient, genauso nachhaltig ins Licht der Öffentlichkeit
gerückt zu werden, wie Leistungen bei der Folgenutzung „Naturschutz“.
Denn manchmal gerät in der Öffentlichkeit allzu schnell in Vergessenheit,
dass es eine ehemalige, ursprünglich vielleicht vehement bekämpfte
Sand- und Kiesabgrabung war, in der man heute gern Erholung sucht.
Publiziert
in: Kies- und Sand-Perspektiven, Heft 6/2004 |
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